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WELT-N24

Date: May 13, 2017
Category: News

Floridas magische Meerjungfrauen

Von Verena Wolff | Stand: 00:15 Uhr | Lesedauer: 4 Minuten

Es gibt sie doch, die Mermaids – zumindest im Wasserpark von Weeki Wachee, wo sie sich schon seit mehr als einem halben Jahrhundert tummeln. Und der traditionsreiche Freizeitpark der USA ist nicht die einzige Attraktion am Golf von Mexiko
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Das Lächeln sitzt perfekt. Und das, obwohl die Meerjungfrau auf dem Trockenen sitzt. Kinder stehen in einer Schlange, um sich mit der blonden Frau fotografieren zu lassen. Geduldig beantwortet sie die Fragen der Kinder. Und die sind hellauf begeistert, dass es die fabelhaften Wesen nicht nur in ihren Märchenbüchern gibt.

Doch das Dasein als Meerjungfrau – oder Mermaid, wie die Amerikaner sagen – ist kein leichter Job. Minutenlanges Schwimmen, Schauspielen und Tanzen unter Wasser – dafür brauche es viel Übung, sagt Katy Wagner. Mit der türkisfarbenen Flosse und dem passenden Bikinioberteil sieht sie tatsächlich wie ein Mensch-Tier-Hybrid aus. Ein Jahr dauere es, bis man die Programme beherrsche und die Tricks draufhabe. Sie selbst arbeite nun schon seit zwei Jahren als Meerjungfrau in Weeki Wachee nördlich von Tampa in Florida.

Die Damen haben verschiedene Vorführungen einstudiert. Alle werden unweit der Quelle des Weeki-Wachee-Flusses geschwommen. Das natürliche Becken hat einen Durchmesser von 30 Metern, die Mermaids bewegen sich in fünf bis sechs Meter Tiefe.

Das Wasser ist kristallklar, doch die Quelle bleibt bis heute ein Rätsel. „Taucher haben schon mehrfach versucht, sie zu ergründen“, sagt John Athanason, Sprecher des umliegenden State Park. „Aber in etwa 150 Meter Tiefe mussten sie ihre Tauchgänge immer abbrechen, weil es zu gefährlich wurde, noch tiefer nach unten zu gehen. Jeden Tag sprudeln mehr als 400 Millionen Liter Wasser aus den unterirdischen Höhlen. Und der Druck in der Tiefe ist so hoch, dass er den Tauchern die Masken vom Gesicht reißt.“

Die Mermaids schwimmen freilich weiter oben, und das schon seit 1947. „Einst gab es hier mehr Alligatoren und Bären als Menschen“, sagt Athanason. Bis Newt Perry, ein bekannter Schwimmer und Taucher, auf die Idee kam, in der klaren Quelle, die damals noch voller rostiger Kühlschränke und Autowracks war, eine Show ins Leben zu rufen. Perry experimentierte mit Sauerstoffschläuchen unter Wasser, an die die Meerjungfrauen zum Atmen schwammen. So mussten die Frauen keine schweren Sauerstoffflaschen auf dem Rücken tragen, und die Zuschauer hatten den Eindruck, die Damen tauchten, ohne atmen zu müssen.

Das Marketing übernahmen die Mermaids damals übrigens selbst: Immer wenn sich ein Auto nach Weeki Wachee verirrte, eilten die Damen in knapper Badebekleidung auf die Straße und winkten die Gäste heran. Dann sprangen sie in ihren Pool und zeigten die Show. Nach und nach entwickelte sich der kleine Ort zum großen Publikumsmagnet – sogar Filme wurden gedreht, Stars wie Elvis Presley kamen zu Besuch. Ende der 50er-Jahre kaufte ein Fernsehsender den Park und baute einen Unterwasserzuschauerraum für 500 Menschen. Nun gaben 35 Meerjungfrauen bis zu acht Shows am Tag. In den besten Jahren kamen mehr als 500.000 Besucher nach Weeki Wachee. Seither hat sich in dem Park nicht viel verändert. Es kommen bloß deutlich weniger Gäste, denn Disney World und Seaworld haben dem Ort längst den Rang abgelaufen. Das Gelände um die Quelle ist als State Park vor weiterer Bebauung geschützt, womit die Einzigartigkeit des Unterwassertheaters garantiert ist. Gleich nebenan, in der Buccaneer Bay, können die Besucher selbst testen, wie kalt sich 22 Grad Celsius in der Sommerhitze Floridas anfühlen.

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„Die Quelle hat das ganze Jahr über dieselbe Temperatur“, sagt Mermaid Katy Wagner. Und das schätzen auch die anderen Stars von Weeki Wachee – die Seekühe. Im Winter tummeln sie sich gern in den zahlreichen Quellen und Flüssen rund um Weeki Wachee. Im Sommer hingegen bevorzugen die bis zu vier Meter langen Tiere, die auch unter dem Namen Manatis bekannt sind, das offene Meer.

„Vergangenes Jahr hatten wir 1047 Manatis hier“, sagt Captain Ross. Er arbeitet für das „Plantation Inn“ in Crystal Springs und bringt Hotelgäste per Boot zu den Seekühen. Und wer will, kann auch mit ihnen zusammen schwimmen. Es ist allerdings streng verboten, die Seekühe anzufassen, sie zu erschrecken oder zu bedrängen. Die geschützten Tiere mögen keine Zutraulichkeiten. Ein Neoprenanzug ist ebenfalls Pflicht, weil man mit ihm besser an der Wasseroberfläche bleibt.

Es ist gar nicht so leicht, die braungrauen Seekühe im Wasser auszumachen. Denn wenn es trüb ist und die Manatis ruhig im Wasser liegen, kann man sie leicht mit einem großen Stein verwechseln. Noch schwieriger sei es im Sommer, sagt Captain Ross. „Da sind fast nur Mütter mit ihren Kindern da. Und die müssen sich erst mal daran gewöhnen, jeden Tag kiloweise Grünzeug aus dem Wasser zu ernten und zu fressen. Deshalb suchen sie sich eher stille Plätzchen und verschwinden schnell, wenn sich ihnen Menschen mit Tauchmasken nähern.“ Die Manatis können übrigens eine Geschwindigkeit von annähernd 50 Stundenkilometern im Wasser erreichen.

So schnell sind die Meerjungfrauen in Weeki Wachee freilich nicht. Dafür sind sie deutlich hübscher anzuschauen, sie haben immer wieder neue Choreografien parat – und sie sind das ganze Jahr über in der kühlen Quelle zu bewundern.

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